14
Jun

Es kommt nicht darauf an, wie hart du zuschlagen kannst...

...sondern darauf, wieviel du einstecken kannst und trotzdem aufstehst, weiterkämpfst und nicht aufgibst...

Das ist nicht immer so einfach, vor allem, wenn man sich gerade von einer Verletzung hochgekämpft hat.
Ich habe alles dafür gegeben, diesen Sommer wieder viele Rennen bestreiten zu können. Wir haben behutsam wie nie zuvor trainiert, ich konnte jede Einheit bestreiten – auch, als nach dem Trainingslager das erste Mal wieder die „alten Leiden“ an den Achillessehnen auftraten.
„Aufgeben gilt nicht“ – und so stellte ich mich jeden Tag aufs Neue auf die Bahn, biss die Zähne zusammen und hatte nur die Ziellinie, die 100m vor mir liegt im Blick.
Verletzungen muss man irgendwann nachgeben, Schmerzen zählen nicht. Da muss man durch... So habe ich immer gedacht.
Bis zu den Tagen, an denen ich morgens nicht mehr auftreten konnte, ich im normalen Gang Bewegungsannormalien entwickelte und dann zu guter Letzt im „Gegensturm“ von -3,7m/sec in Athen sogar unter Wettkampf-Adrenalin die Schläge in meinen Fersen spürte. Irgendwann ist es dann leider an der Zeit, eine Reißleine zu ziehen...

Die Problematik mit den Fersenspornen an meinen beiden Fersen ist mir seit ca. 2008 bekannt. Es hat jedoch immer so funktioniert, eine OP wurde immer als „letzte Möglichkeit“ gesehen und war für mich eigentlich immer ein absolutes „No-Go“.
Wenn man aber eines Tages Einheiten mit Tränen in den Augen bestreitet ist klar, dass was passieren muss.
Aufhören ohne „das Projekt zu Ende gebracht zu haben“?
Diesen Enthusiasmus und die Leidenschaft für Geschwindigkeit und das „über die Hürden fliegen wollen“ einfach beiseite schieben, obwohl es noch da ist?
Nein, ich möchte entscheiden, wann ich „gehe“ – und nicht mein Körper!

Daher habe ich mich zu der ersten OP an der linken Ferse entschieden.
Die MRT-Bilder der vergangenen Woche, jegliche konservative Behandlungen, an die man nur denken kann, die nicht mehr anschlugen und die Aussage der Ärzte nach der OP, wie ich überhaupt nur noch gehen konnte sind mehr als eindeutig und bedürfen keiner weiteren Aussage.

Die OP gestern ist sehr gut verlaufen, das Erstauen wie gut die Entwicklung in den ersten 24 Stunden war ist hier in der Klinik Köln-Merheim groß.
Jeder noch so lange Weg beginnt mit einem ersten Schritt – das hier ist mein Erster.
Wie groß die weiteren sind und wie weit der Weg ist, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen sehen. Schließlich habe ich ja auch noch einen rechten Fuß...

Durchzuhalten, zu kämpfen, nicht aufzugeben, das Leben weiterzuleben und an sich zu glauben ist es, was Gewinnen bedeutet – es bedeutet nicht immer zu Siegen.
Auch wenn mein großer Traum ist, 2014 wieder mal als Erste über diese 100m entfernte Zielline zu laufen... Vielleicht ja sogar in dem grandiosen Leichtathletik-Stadion in Zürich ;-)?!

Danke an euch alle, die mir helfen durchzuhalten und weiterzumachen
- vor allem an Dr. Jens Enneper, Prof. Dr. Bouillon und das ganze Team, die die OP (so schnell möglich) gemacht haben (und somit eine frühzeitige Reha sichern) !!!

Eure

Carolin Nytra
  • Nike

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